Es sieht in jeder Farbe gut aus, solange es schwarz ist.
(Henry Ford, Automobil-Hersteller)


Gebrauchtkauf

Nichts währet ewig...
... und auch Klaviere haben eine begrenzte Lebensdauer. Im Laufe der Jahrzehnte schrumpft das Holz des Resonanzbodens, der dadurch seine Wölbung verliert und evtl. Risse bekommt. Dasselbe gilt für den Stimmstock, der ebenfalls reißen kann, und da er hinter der Eisenplatte verborgen liegt, sieht man ihm seinen Zustand nicht an.
Bemerkt man solche Fehler erst hinterher, hat man sein Geld verschenkt, denn die Reparaturkosten bewegen sich, wenn die Reparaturen wirklich fachgerecht ausgeführt werden, leicht in der Größenordnung der Preise neuer Klaviere. Deswegen muß man bei alten Klavieren, die relativ günstig als »generalüberholt« angeboten werden, evtl. davon ausgehen, daß hier nur ein wenig Kosmetik statt wirklicher Reparatur betrieben wurde.
Zu der Frage, wann es sich lohnt, ein Instrument instandsetzen zu lassen, kann man hier etwas nachlesen:
Restaurierung alter Klaviere.

Gebrauchtwert
»Entscheidend für die endgültige Bewertung sind Marke, Zustand, Häufigkeit des Gebrauchs, Typ, Konstruktion, Ton und Sammlerwert (...) Bei ... Instrumenten über 50 Jahren kann man von einem Handelswert nicht mehr sprechen.« (aus »Europe Piano Atlas«, Bochinsky-Verlag)

Geht man von dieser Spanne von 50 Jahren aus, so kann man als Daumenregel anwenden, daß ein Klavier pro Jahr 1/50 seines Neuwertes verliert. Der Preis eines 20 Jahre alten Instruments sollte also um ca. 20/50 niedriger sein als sein aktueller Neupreis. Allerdings verlieren Instrumente in den ersten Jahren schneller an Wert, denn niemand wird ein gebrauchtes einjähriges Instrument erwerben, dessen Preis nur um 1/50 niedriger als der Neupreis ist. Entsprechend verlieren sie später langsamer an Wert, und ganz gegen Null geht der Preis wohl erst nach deutlich mehr als 50 Jahren. Das ist einerseits abhängig von Marke und ursprünglicher Qualität und andererseits natürlich auch von Angebot und Nachfrage. Als unerfahrener Kaufinteressent sollte man im Einzelfall immer einen Fachmann zur Beratung heranziehen.

Das Alter läßt sich durch den Herstellernamen und die Seriennummer feststellen, die meistens auf der Eisenplatte aufgedruckt ist, sich manchmal aber auch an einer Plakette an der Rückwand befindet oder auf dem Resonanzboden. Abbildungen dazu findet man bei:
www.pianoshop.co.uk
Anhand eines Nummernverzeichnisses (z.B. Piano Atlas, Bochinsky-Verlag) läßt sich durch die Seriennummer das Baujahr ermitteln.

Die holländische Klavierwerkstatt van Medevoort in Utrecht bietet auf ihrer Website hierfür einen (kostenpflichtigen) Online-Service an. Ca. 800 Hersteller sind dort erfaßt:
hoe oud is mijn piano?

Bei der niederländischen Klavierbauer-Vereinigung findet man evtl. auch dann Informationen zu seinem Instrument, wenn die Angaben, die man macht, nicht vollständig sind:
www.vvpn.nl

Ein schnell zu überblickendes Verzeichnis, das aber nur die wichtigsten europäischen Hersteller auflistet neben vielen amerikanischen, ist:
www.bluebookofpianos.com

Es gibt auch auf den Websites mancher Klavierhersteller Nummernverzeichnisse. Falls nicht, kann man dort einfach einmal nachfragen, Adressen gibt es hier: Links.

Begutachtung
Folgendes kann auch ein Laie evtl. selber erkennen:

Test Nr. 1 – Öffnen Sie den Gehäusedeckel (also den oberen Holzdeckel, auf dem meist Dinge wie Vasen, Leuchter oder Nippesfiguren stehen, die dort eigentlich nichts zu suchen haben) und stellen Sie fest, ob das Instrument Unter- oder Oberdämpfung hat. Oberdämpfung erkennen Sie daran, daß die Dämpferglieder an einer Leiste über den Hämmern befestigt sind und durch lange Drähte vor den Hämmern bewegt werden. Bei Oberdämpfung sollte man in jedem Fall vom Kauf absehen, das Instrument ist mit Sicherheit zu alt.

Unterdämpfung     

Oberdämpfung



Test Nr. 2 – Betrachten Sie bei geöffnetem Gehäusedeckel die Hämmer von oben. Sieht es wie bei b) aus, müssen Sie davon ausgehen, daß die Mechanik in üblem Zustand ist und hohe Reparaturkosten anfallen:

a)

    
b)



Test Nr. 3 – Ebenfalls zu erkennen sind bei geöffnetem Gehäusedeckel die Stimmwirbel, an denen die Saiten aufgewickelt sind. Wenn diese deutlich Rost angesetzt haben, sitzen sie mit Sicherheit nicht mehr fest genug im Stimmstock, um das Instrument noch stimmen zu können.

Test Nr. 4 – Sehen Sie sich die Tastatur daraufhin an, wie gleichmäßig die weißen Tasten geradeliegen. Zeigen sich hier deutliche Höhenunterschiede, wird der Zustand der Mechanik sehr mangelhaft sein.

Test Nr. 5Mechanik-Funktion: Legen Sie auf das vorderste Ende einer niedergedrückten Taste ein Gewicht von 20 Gramm (z.B. Geldstücke). Bei getretenem rechten Pedal (wichtig, sonst gilt der Test nicht), sollte die Taste, wenn Sie sie loslassen, es schaffen, das Gewicht wieder anzuheben, andernfalls ist die Mechanik zu träge.

Test Nr. 6 – Bestehen Sie darauf, daß das Klavier von der Wand abgerückt wird. Dann sehen Sie an der Rückseite den Resonanzboden, eine mit quer laufenden Rippen versehene Fichtenholzplatte (wenn die Rückwand nicht mit Stoff bespannt ist; dann müßte man das Gehäuse von vorne öffnen, um den Boden betrachten zu können, was problemlos möglich ist, da die Gehäusewände ober- und unterhalb der Tastatur leicht abnehmbar sind). Sind im Resonanzboden Risse erkennbar, ist das Instrument hinüber. Ein Riß muß nicht unbedingt zu einer Klangverschlechterung beitragen, ist aber immer Zeichen für ein zu hohes Alter, und mit großer Wahrscheinlichkeit hat ein gerissener Boden auch keinen Stegdruck mehr.

Ist einer dieser Tests zur Unzufriedenheit ausgefallen, wissen Sie immerhin, daß Sie das Instrument nicht kaufen sollten und daß es sich nicht lohnt, einen Fachmann heranzuziehen.


Neukauf

2000 Prozent
Kaufwillige haben heute die Auswahl zwischen gut ein Meter hohen Klavieren und bis zu drei Meter langen Flügeln. Entsprechend groß ist die Preisspanne, der teuerste Flügel kostet wenigstens 20mal mehr (2000 Prozent) als das preisgünstigste Kleinklavier aus fernöstlicher Produktion.
Moderne Fertigungsmethoden bei hohen Stückzahlen haben es mittlerweile ermöglicht, daß auch billige Klaviere »für den Hausgebrauch« nicht unbedingt unbrauchbar sein müssen, aber bei den billigsten muß man immer von minderer Holzqualität und sorgloserer Verarbeitung ausgehen. Wie überall hat Qualität auch hier nun einmal seinen Preis, so daß man in der mittleren Preislage sicherer geht als in der untersten.

Klaviergrößen
Klaviere sind umso teurer, je höher sie sind. Große Klaviere besitzen längere Baßsaiten, mehr Resonanzbodenfläche und damit mehr Tonvolumen, und ihre längeren Tastenhebel erzeugen meistens auch ein angenehmeres Spielgefühl. Trotzdem gilt die Formel »je höher, umso besser« nur mit Einschränkung, denn manche großen Klaviere klingen nicht tonschöner als kleinere, so daß Klang und Spielbarkeit nicht nur von der Größe, sondern auch sehr von der Gesamtqualität des Instruments abhängen.

Beratung
In jedem Fall tut man gut daran, den Rat eines sachverständigen Spielers einzuholen, denn da sich ein »lebendes« Material wie Holz nicht immer vorhersehbar verhält, sind auch gute Markenklaviere nicht eines wie das andere. Deswegen sollte man Klaviere nicht nach Katalog kaufen, sondern immer beim Händler aussuchen.


Miete und Mietkauf

Viele Händler bieten Mietkäufe an. Ist man sich unsicher, ob man tatsächlich die hohe Investition in einen Neukauf tragen will, kann man das Instrument gegen monatliche Gebühr mieten und nach einem halben oder ganzen Jahr immer noch entscheiden, ob man es kauft. Die Miete wird dabei in der Regel auf den Preis angerechnet.

Auch Kaufverträge mit Rücknahmegarantie innerhalb einer bestimmten Frist (meist ein Jahr) sind bei einigen Händlern möglich, um Eltern, die befürchten, ihr Kind könnte vielleicht doch nicht dabeibleiben, die Kaufentscheidung zu erleichtern.


Digitalpianos

Elektronische Klaviere erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, haben sie doch durchaus gewisse Vorzüge:

  1. Sie sind transportabel (wenn auch nicht ganz so mühelos und bequem, wie man sich das vielleicht vorstellt).
  2. Sie müssen nicht gestimmt werden
  3. Man kann darauf üben, ohne die Nachbarn zu stören (oder die Familienmitglieder – was aber mit der Einschränkung zu sehen ist, daß in hellhörigen Wohnungen die Tastengeräusche über die Weiterleitung von Körperschall evtl. trotzdem noch ziemlich störend auch in Nachbarräume dringen) .

Einige ihrer Vorteile, die oft angeführt werden, beruhen jedoch auf Irrtümern:

  1. Das Digitalpiano sei billig. – Ist es höherwertig, trifft dies nur bedingt zu, denn mit etwas Glück bekommt man für den Preis eines guten neuen Digitalpianos auch schon ein Gebrauchtklavier. Mißt man es an der Langlebigkeit, sind Klaviere sogar billiger, denn die enden meist erst in der zweiten oder dritten Generation der Besitzer und nicht schon in der ersten als Elektronik-Schrott.
  2. Es nehme weniger Platz weg. – Das ist eindeutig falsch, denn der Stellplatz für ein Digitalpiano mit 88 Tasten (etwas anderes käme als Klavier-Ersatz gar nicht in Frage) ist nicht geringer als der eines Klaviers, weil eine Standard-Tastatur immer Klavierbreite verlangt und das Klavier allenfalls in der Tiefe, je nach Größe, ein paar Zentimeter mehr haben kann und lediglich deutlich höher ist, was mit Stellplatz und Platzmangel nichts zu tun hat.

Digitalpianos haben auch deutliche Nachteile:

  1. Ihre Anschlagsdynamik sorgt zwar dafür, daß der Ton lauter wird, wenn man kräftiger anschlägt, aber Digitalpianos reagieren auf Anschlagsnuancen meist nicht sehr zufriedenstellend, auch wenn sie mittlerweile einen wesentlichen Effekt des akustischen Klaviers elektronisch nachzuahmen versuchen: daß lautere Töne auch heller und obertonreicher werden, wodurch der Spieler überhaupt erst das Gefühl bekommt, daß das Instrument klanglich beeinflußbar ist. Beides, die wenig zufriedenstellende Anschlagsdynamik und die unzulängliche Modulationsmöglichkeit, macht Klanggestaltung auf dem Digitalpiano schier unmöglich. Das gilt ganz besonders natürlich für die billigsten unter ihnen.
  2. Die Klangabstrahlung über (meist nicht sehr hochwertige) Lautsprecher ist mit der eines Klaviers nicht vergleichbar und »täuschend echt« klingt es nur, solange der direkte Vergleich mit einem wirklich guten Klavier fehlt.
  3. Das Spiel über Kopfhörer bzw. über künstllich reduzierte Lautstärke entspricht nicht den akustischen Gegebenheiten natürlichen Musizierens und ist für fortgeschrittenes Üben kaum geeignet.
  4. Die Mechanik digitaler Instrumente – auch wenn sie »gewichtet« und evtl. sogar mit einer Hammermechanik ausgestattet ist – kann das mechanische Spielwerk nicht wirklich nachahmen, weil dieses mit einer ganz anderen Massenbeschleunigung arbeitet, die so ausgelegt ist, daß die kräftiger angeschlagene Taste auch schwergängiger erscheint. Das hört sich zunächst wie ein Nachteil an, ist aber in Wahrheit der große Vorteil des Klaviers, denn er sorgt dafür, daß man die dynamische Reaktion wesentlich leichter in den Griff bekommt. Die Digitaltastatur ist deswegen zum Üben nur sehr eingeschränkt brauchbar: Geläufigkeit auf dem Klavier verlangt ganz andere Innervationen, und wirkliches Kraft-, Finger- und Schnelligkeitstraining ist auf dem Digitalpiano nicht möglich.

Wäre es möglich, das Klavier durch das Digitalpiano zu ersetzen, und würde dies allmählich tatsächlich geschehen, hätten wir irgendwann ein Problem:
Die Klänge, die das Digitalpiano wiedergibt, sind keine synthetischen Klänge, sondern sog. Samples (Klangproben), d.h. sie sind Aufnahmen akustischer Klaviere. Wenn es die nicht mehr gäbe, gäbe es auch keine Klangquellen mehr für die Digitalpianos.

So betrachtet sind Digitalpianos (oder sonstige Sampleplayer) keine Musikinstrumente, sondern lediglich Wiedergabegeräte, die sich ihre Töne nur geliehen haben. Wie naturgetreu sie den Klang echter Instrumente übernehmen, ist eine Frage des Sampling-Aufwandes und des Speicherplatzes. Da der Speicherplatz begrenzt ist, werden die Samples geloopt, d.h. ein relativ kurzer Tonschnipsel wird in einer Schleife (engl. loop) mehrmals abgespielt, und das natürliche Abklingen des Tons wird über eine Hüllkurvensteuerung simuliert. Für geübte Ohren sind diese Schleifen oft deutlich wahrnehmbar, und sie wirken in ihrer Gleichmäßigkeit recht steril.
Speicherplatzmangel verlangt außerdem, daß nicht für jeden der 88 Töne ein eigenes Sample möglich ist, sondern einige wenige ausreichen müssen, deren Tonhöhe dann vom Soundprozessor modifziert wird, was zum sogenannten Micky-Mouse-Effekt führt, d.h. der Ton wird zwar in der richtigen Tonhöhe wiedergegeben, die natürliche Klangfarbe aber wird verfälscht.
Um die Klangfarbenänderung bei unterschiedlicher Lautstärke nachzuahmen, benötigt man mehrere Samples in verschiedenen Lautstärke-Abstufungen. Die einfachsten Digitalpianos verzichten auf dieses Multisampling, die besseren müssen die vielen möglichen Stufen des akustischen Instruments auf einige wenige reduzieren.
Bösendorfer entwickelte mit dem CEUSmaster ein Stage-Piano, bei denen die Samples nicht geloopt sind, weil sie in ausreichender natürlicher Länge aufgezeichnet wurden; außerdem wurde jeder Ton mit 80 verschiedenen Lautstärke- und Klang-Abstufungen aufgenommen, die Datenmenge beträgt insgesamt 80 GB. Das Gerät ist allerdings nicht auf dem Markt, und nachdem Yamaha Bösendorfer übernommen hat, hört man nichts mehr davon.

Prinzipiell zu unterscheiden ist bei elektronischen Instrumenten zwischen Sample-Player und Synthesizer. Was man landläufig unter einem Keyboard versteht, kann eines von beiden oder beides zugleich sein: Die Klänge sind entweder Aufnahmeschnipsel akustischer Instrumente oder werden auf elektronischem Wege synthetisiert. Deswegen sind Digitalpianos eigentlich auch nichts anderes als Keyboards, sie unterscheiden sich davon lediglich dadurch, daß sie erstens neben dem Klavierklang nur wenige andere Klänge besitzen, zweitens in der Regel eine vollständige Tastatur mit 88 Tasten haben und daß drittens Instrumentenständer und Pedale bereits integriert sind – für die meisten »Stage Pianos« trifft aber selbst das nicht zu.


Kombinierte Instrumente

Sie heißen z.B. Silent Piano (Yamaha), Vario-System (Bechstein), TwinTone (Schimmel), Anytime-Piano (Kawai) und DuoVox (Seiler) und kombinieren ein akustisches Instrument mit einem Digitalklavier. Damit stellen sie einen vertretbaren Kompromiß dar, wenn Nachbarn nicht gestört werden dürfen, denn man kann notfalls auf Kopfhörer-Wiedergabe umschalten, muß aber auf ein richtiges Klavier nicht vollständig verzichten.

Technisch verwirklicht ist dies, indem die Tastenbewegungen zusätzlich einen Sample-Player ansteuern, der als elektronisches Gerät recht klein ist und genauso problemlos in einem Klavier untergebracht werden kann wie Verstärker, Kopfhörer-Anschluß und Lautsprecher. Außerdem muß natürlich die Hammermechanik stummgeschaltet werden können. Wechselt man zu digitaler Wiedergabe, hat man es also nicht mehr mit dem eigentlichen Klavier zu tun, sondern mit einem reinen Digitalpiano, auch wenn die Tastatur dieselbe ist.

Die Preise sind unterschiedlich und hängen in erster Linie von der Qualität des akustischen Klaviers ab. Da dieses durch diese MIDI-Erweiterung nicht verändert wird, sondern nur ein paar zusätzliche Teile erhält, kann man vorhandene akustische Klaviere zu Silent Pianos auch nachträglich erweitern, bspw. durch das QuietTime-System von PianoDisc, das sich in fast jedes Instrument einbauen läßt.
(S. Links, Zubehör).

Allerdings gibt es bei den meisten Systemen einen Nachteil, der selten erwähnt wird: Um die Spielmechanik des akustischen Klaviers stummschalten zu können, bedarf es eines Eingriffs in die Regulierung des akustischen Spielwerks, nämlich einer deutlich größeren »Auslöseweite« der Hämmer, was sich sehr auf die dynamische Reaktion des mechanisch-akustischen Spielwerks auswirkt.


Flügel oder Klavier?

Man muß wohl ein großer Musikliebhaber sein, um diese Frage überhaupt in Erwägung zu ziehen, denn schon Klaviere kauft man nicht schnell mal eben vom Taschengeld, und außerdem braucht man für einen Flügel natürlich den nötigen Stellplatz.

Aber wer bereit ist, für ein Klavier Spitzenpreise zu bezahlen, und evtl. den Platz für einen Flügel hätte, der wird vielleicht doch einmal darüber nachdenken, denn für den Preis eines Spitzenklaviers bekommt man eventuell auch schon einen günstigen Flügel, wenn vielleicht auch nur einen gebrauchten. Dabei ist natürlich wichtig, was man miteinander vergleicht, denn es macht selbstverständlich keinen Sinn, ein sehr gutes Klavier gegen einen miserablen, womöglich nicht mehr intakten Flügel zu tauschen.

Davon abgesehen und vorausgesetzt, der Spieler hat ein angemessenes Niveau erreicht, gibt es durchaus ein paar Argumente zugunsten des Flügels:

  1. Ist der Flügel nicht zu klein, hat er längere Baßsaiten als das Klavier. Ganz grob kann man dabei so rechnen:
    Flügellänge minus 30 cm entspricht Klavierhöhe, d.h. ein 160 cm langer Flügel hat in etwa dieselbe Baßsaitenlänge wie ein 130 cm hohes Klavier. Größer sind moderne Klaviere selten (das Steingraeber-Klavier Modell 138 ist laut Aussage des Herstellers das größte auf dem Weltmarkt), und damit wäre selbst ein so kurzer Stutzflügel schon einmal nicht schlechter als das Klavier.
  2. Der Flügel hat eine günstigere Klangabstrahlung, so daß der Spieler ein ganz anderes Verhältnis zum erzeugten Klang bekommt und deswegen Klanggestaltung darauf oft überhaupt erst erlernt.
  3. Gerade große Klaviere wirken manchmal sehr baßlastig, weil der Klang quasi in ein Gehäuse eingesperrt ist und Gehäuse-Resonanzen bei manchen Instrumenten den Baß recht »bollerig« wirken lassen können.
  4. Die Flügelmechanik ist anders konstruiert; vorausgesetzt ihre Spielart ist optimal, kann man bestimmte Dinge wesentlich leichter darauf erlernen.
  5. Das linke Pedal bewirkt beim Flügel eine wirkliche Klangveränderung, die auf dem Klavier nicht nachzuahmen ist.
  6. Das rechte Pedal kann meist wesentlich differenzierter eingesetzt werden.

Aber damit soll nicht gesagt sein, daß der Flügel für einen niveauvollen Spieler, der sich’s leisten kann, ein Muß ist. Man kann auch mit Klavieren glücklich werden, und sogar Chopin soll lieber auf ihnen gespielt haben.



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